Anleitung zum “Umgraben”

 

Vergangene Woche wurde die Ausschreibung für das Festival der Regionen 2013 publiziert, das im Juni 2013 unter dem Motto “Umgraben” in Eferding (OÖ) stattfinden wird. Jetzt ist bis 16. Mai 2012 Zeit, Projekte zu entwickeln. Es gilt, einige lockere Formalitäten einzuhalten, doch im wesentlichen ist Idee und Ambition Trumpf. Erfahrene KünstlerInnen wissen eh, was die Tücken einer Ausschreibung sind. Für jene, die sich nicht so sicher fühlen, vermittle ich nachfolgend aus meiner Erfahrung heraus einige Leitlinien.

1. Keine Projekte aus der Schublade

ProjekteinreicherInnen sollen sich in ihrem Konzept sowohl auf den Festivalort als auch das Motto (“Umgraben”) einlassen. Als Herausforderung gilt dabei, mit dem Projekt möglichst Anknüpfungspunkte vor Ort zu schaffen – sei es durch Einbindung von Menschen, Thematisierung von regional relevanten Themen oder spezielle Vermittlungsideen. Nur in Ausnahmefällen macht es Sinn, ein fertiges Konzept aus der Schublade zu ziehen: Dann, wenn ein solches Vorhaben für die Rahmenbedingungen des Festivals gut adaptierbar ist. Machen Sie sich hier die Mühe, das im Projektkonzept auszuformulieren. So ist es für die Programmleitung einfacher, sich ein konkretes Bild zu machen.

2. Besser kurz und einfach als ausufernd und geschwollen

Wunderbar, wenn Sie in der Lage sind, Ihre Ideen in eine schöne Konzept-Form zu gießen. Das setzt einem guten inhaltlichen Ansatz die Krone auf. Falls Ihnen die Arbeit mit Konzepten aber nicht so geläufig ist, empfehle ich, das Vorhaben knapp und präzise auf ein bis maximal drei Seiten zusammenfassen. Wenn die künstlerische Leitung an Ihrem Projekt interessiert ist und noch mehr darüber wissen möchte, kann sie bei Unklarheiten immer noch nachfragen. Eine endgültige Entscheidung für oder gegen ein Projekt, das es in eine engere Auswahl geschafft hat, erfolgt im Normalfall erst nach einem persönlichen Gespräch, wo die gegenseitigen Erwartungen und Ziele noch einmal im Detail abgeklärt werden.

3. Es kostet, was es kostet

Das Festival der Regionen finanziert ausgewählte Projekte (erfahrungsgemäß zwischen 25 und 30) aus Mitteln seines Programmbudgets. Schätzen Sie die Kosten Ihres Projekts möglichst realistisch ein – taktische Gedankenspiele á la „ich setzte das bewusst Budget höher an, weil es ohnehin gekürzt werden wird“ sollten vermieden werden. Der Beirat und die Leitung sind mit den erwartbaren Kosten von Kunstprojekten vertraut und können sie gut einschätzen. Je näher Ihre Budgetvorstellung an dieser Einschätzung, desto besser. So gibt es auf dieser Ebene schon einmal ein Einverständnis.

4. Background

Das Festival der Regionen ist eine Veranstaltung für zeitgenössische Kunst und Kultur. Vermitteln Sie in der Projekteinreichung möglichst Ihren eigenen persönlichen Hintergrund und wie Sie sich im Feld der Kunst und Kultur verorten. Das ist gut möglich über die Angabe von Referenzen und von früheren Projekten. Auch wenn diese Projekte in anderen Gebieten wie Sozialarbeit oder ähnlichem stattfanden, ist es sinnvoll, sie anzugeben.

5. Absage kein definitives Qualitätsurteil

Ob es ein Projekt in die Endauswahl schafft ist von vielen Faktoren abhängig. So kann eine Rolle spielen, wie viele Projekte in dem betreffenden Jahr aus gewissen Genres eingereicht, welche Themen angesprochen oder welche Kooperationsmöglichkeiten vor Ort realisiert werden können. Deshalb ist eine Absage eines Projektvorschlages auch nicht unbedingt ein Qualitätsurteil. Meist kristallisieren sich im Auswahlprozess gewisse Schwerpunktsetzungen heraus, die unter Umständen gegen die Realisierung von Projekten mit anderen Schwerpunkten oder Formaten sprechen.

6. Lokalaugenschein

Am Freitag, 23. März 2012 lädt das Festival der Regionen nach Eferding und bietet die Möglichkeit, den Ort gemeinsam mit den OrganisatorInnen und mit lokalen VertreterInnen in Augenschein zu nehmen. Treffpunkt: 14:00 Uhr, Stadtplatz. Am Donnerstag, 29. März 2012 findet um 12:30 Uhr ein Gespräch mit Gottfried Hattinger im Kepler Salon Linz statt. Adresse: Rathausgasse 5, 4020 Linz. Darüber hinaus gibt es eine Facebook Gruppe für Fragen & Antworten und Ende März wird eine Video-Stadttour durch Eferding veröffentlicht.

Mehr Info & Details zur Ausschreibung

PS: Für das Festival der Regionen koordiniere ich seit 2007 den Bereich Kommunikation.

Titelbild von Norbert Artner

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