KunstRaum Goethestrasse xtd macht Nachbarschaft sichtbar

 

Ein älterer Herr, sichtlich in Schale geworfen, hat gut eine halbe Stunde geduldig auf seinen Porträt-Termin gewartet. Nun ist es aber soweit. Im temporären Fotostudio im KunstRaum Goethestrasse xtd wird er von der Künstlerin Iris Andraschek in Szene gesetzt. „Der Herr ist aus der Nachbarschaft. Die Kommunikation ist nicht ganz einfach, weil er kaum Deutsch spricht. Doch es findet sich immer ein Weg, sich zu verständigen. In zwei Wochen wird er sich sein Porträt abholen“, sagt Susanne Blaimschein vom Kunstraum, während wir die Fotoaktion beobachten.

„Foto Andraschek & Töchter“ ist kein gewöhnliches Fotostudio. Es ist auch kein gewöhnliches Kunstprojekt. Genau so wenig der KunstRaum eine gewöhnliche Institution ist. Der KunstRaum arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Psychosozialem. Das aktuelle Projekt ist ein Vorhaben, die Vielfalt seiner Nachbarschaft im Linzer Neustadt-Viertel sichtbar zu machen. Das gelingt sehr gut: in den Schaufenstern des Kunstraums hängen mittlerweile fast 100 Porträts: Einzelpersonen, Gruppen, Familien – mehr oder weniger inszenierte Bilder. Es ist ganz spannend, in die Gesichter zu sehen und vor dem Schaufenster verweilend ganz unterschiedliche Momentaufnahmen zu betrachten. Menschen erfahren hier Präsenz im öffentlichen Raum. Viele von ihnen würde man nie in dieser Nähe und Intimität zu sehen bekommen.

Dem Projekt wurde der Stadt der Kulturen-Preis 2013 verliehen. Zu Recht, wie ich finde. Susanne Blaimschein vom Kunstraum ist natürlich ebenso überzeugt von ihrem Projekt. Dennoch hat sie nicht mit dem Riesen Andrang gerechnet: „Dass ‚Foto Andraschek & Töchter’ derart erfolgreich werden würde – damit haben wir nicht gerechnet. Täglich kommen zahlreiche Interessierte und nutzen unsere Einladung, sehr persönliche und individuelle Portrait-Aufnahmen von sich machen zu lassen und sich im Schaufenster damit zu zeigen.“

Die Fotografin, Künstlerin Iris Andraschek konfrontiert das Projekt mit neuen Herausforderungen: „Manchmal entscheide ich mich während des Fotografierens wie ich wirklich vorgehe. Das ist von Mensch zu Mensch komplett verschieden. Manchmal greife ich ein, oft gar nicht. Der Unterschied bei „Foto Andraschek & Töchter“ zu anderen Projekten ist, dass die Erwartungen an mich sehr, sehr hoch sind  und genau das ist die Herausforderung“.

Fotostudio? Kunstprojekt? Nachbarschaftsinitiative? … Überzeugen Sie sich selbst. Die Bilder in den Schaufenstern sind noch bis Ende Oktober zu sehen. Für nächste Woche sind auch noch einige Fototermine frei.

Donnerstag, 26. und Freitag 27. September 2013 (10-12 u. 14-20 Uhr)
Samstag, 28. September (10-12 Uhr)
Um Anmeldung wird gebeten! (0732 651346-16 / office@kunstraum.at)

Am 23.10. ab 18 Uhr findet für alle Interessierten und Portraitierten ein Abschlussfest statt!

www.kunstraum.at

Porträtbild von Iris Andraschek

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