Laura Welzenbach: “Es geht nicht darum größer zu werden”

 

Laura Welzenbach freut sich darauf, einmal sagen zu können: “Wir machen es so wie im letzten Jahr”. Sie ist eine der Protagonistinnen des sound:frame – Festival for audiovisual expressions  in Wien und verbrachte dieses Jahr einige Monate in Linz als Projektmanagerin im Rahmen des Ars Electronica Festival. Ich nutzte die Gelegenheit zum Gespräch und wollte mehr über das sound:frame und auch ihre Zeit in Linz erfahren.

Ich wollte das Gespräch mit dir unbedingt führen, bevor du wieder weggehst aus Linz. Ich möchte nicht nur über das sound:frame Festival sprechen, sondern auch darüber, wie es dir hier in der Stadt gefallen hat.

Linz hat mir extrem gut gefallen. Eine kleine Stadt, die sich kompakt, schön und liebevoll gestaltet. So richtig vertraut mit Linz bin ich geworden, als ich den „Linz-Labyrinth“-Reiseführer gefunden hatte. Da habe ich mir ein paar Sachen herausgesucht, bin alleine durch die Stadt gelatscht und habe unterschiedliche Shops besucht. Da sind mir nette Gassen, Cafés und Läden aufgefallen. Da wurde mir die Stadt noch sympathischer. Ich finde es schön, dass diese Stadt viel Liebes auf einem hohen Niveau hat. Mir kommt vor, dass da Vieles gut durchdacht ist.

Das finde ich lustig. Du hast dir Linz über die Shops erschlossen!

Ja, genau – über diese Touren.

Die Initiative, die du da ansprichst gibt es ja noch gar nicht so lange. Da geht’s auch darum, wo man in der Stadt abseits der Trampelpfade hippes Zeug bekommt.

Das gibt’s in anderen Städten bestimmt auch. Aber dort gibt’s nicht diesen coolen Reiseführer! Er hat mir wirklich geholfen, Linz kennenzulernen und mich zum Rumspazieren zu motivieren.

Du hast Mitte des Jahres von vom sound:frame in Wien zum Ars-Electronica Festival in Linz gewechselt. Wie ist es dir bei der Ars gegangen?

Ich war beeindruckt, was für eine Grundstruktur dieses Unternehmen mit sich bringt. Ich komme aus einem kleinen Verein, wo zwei bis drei Leute intensiv miteinander arbeiten und hier gibt es mehrere Unternehmen bzw. große Ressorts, die auf das Festival hin arbeiten. Das war beeindruckend. In meiner bisherigen Erfahrung waren Prozesse viel, viel länger. Hier ist die Struktur viel dichter und so kann man Dinge schneller umsetzen. Es gibt eine Projektidee und innerhalb von zwei Wochen ist die Realisierbarkeit geprüft und erste Testobjekte entstehen. Irre … für den Verein wäre das jetzt ein Aufwand von mindestens 3 bis 4 Monaten gewesen. Und es gibt hier ein ganz liebes Team. Das fand ich auch schön. Es arbeiten junge, motivierte Leute, die alles geben für das Projekt und mit so viel Spaß dabei sind. Ich habe mich sofort wie zuhause gefühlt. Es war eine gute Erfahrung, die ich auf keinen Fall missen möchte.

Du warst bei “Create Your World”, beim “Festival im Festival” involviert. Was war da deine Rolle?

Ich war als Projektmanagerin dabei. Ich habe Susi Windischbauer, der Leiterin, zur Seite gestanden und habe einzelne Projekte übernommen und sie betreut. Von der Planung zur Umsetzung und der Vermittlung war alles dabei. Das war eine ganz schön große Herausforderung, weil du als Teil eines riesen Komplexes agierst.

Worum ist es für dich gegangen beim Create Your World?

Soziale Themen waren für mich wichtig. Eines meiner Hauptprojekte war eine Zusammenarbeit mit dem Roten Kreuz. Das stand unter dem Titel „Wendepunkt. Ändere deine Richtung.“ Es ging darum, dass man eine Gruppe von Jugendlichen mit Experten aus Bereichen von Umwelt, Soziales, Krieg und Frieden zusammenbringt und das Bewusstsein zu stärken, was ihre Arbeit betrifft. Oft sitzt man zuhause, hört von politischen und sozialen Vorgängen, unc fragt sich, wieso man diese und jene Probleme nicht einfacher lösen kann. Was sind die Hindernisse? – Das war das Thema. Das Projekt ist mir schnell ans Herz gewachsen und ist ein schöner Erfolg geworden.

Du bist 2009 ins sound:frame-Festival in Wien als Mitorganisatorin eingestiegen. Aus welcher Idee heraus das Festival entstanden?

Eva Fischer (Anm.: Kuratorin des Festivals) hat Kunstgeschichte studiert und hat sich während ihres Studiums mit Musik und der Visualisierung von Musik auseinandergesetzt. Im Rahmen eines Praktikums im Künstlerhaus Wien, hat sie die Möglichkeit erhalten, eine kleine Ausstellung zu kuratieren. Mit dem Konzept für ein Festival zur Visualisierung von elektronischer Musik, das sie während des Studiums entwickelt hat, konnte sie den Direktor überzeugen. So hat er ihr die Möglichkeit gegeben, eine kleine Ausstellung vor Ort zu präsentieren. Das war in einer kleinen Passagengalerie in Wien. Dort war der Ursprung.

Es war also eine reine Ausstellung?

Ein Theorieprogramm hat es auch gegeben, Live-Events und Performances im Kinosaal. Es war ein großer Erfolg und das Künstlerhaus hat dann Jahr für Jahr größere Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt. Schließlich auf einer Ausstellungsfläche von 1.200 m2 im Jahr 2009.

Ein schnelles Wachstum. Was hat zu dem Erfolg beigetragen?

Ich glaube, es war einfach die richtige Zeit für das Projekt. Die Visual-Kultur in Wien war sehr aktiv. Es gab Vorreiter, die in den Jahrzehnten davor viel Arbeit geleistet haben. Das Interesse in der Wiener Clubkultur ist – was die visuelle Gestaltung einer Location betrifft – sehr hoch im Vergleich zu anderen Städten. Die VJs haben endlich eine Plattform gesehen. Einerseits hat so ein Festival den Unterhaltungsbedarf im Clubbereich gedeckt und das auf sehr hohem Niveau. Auf der anderen Seite hat es einen Kunstkontext hergestellt, den die musealen Räume geboten haben. Es war einfach der richtige Zeitpunkt und basiert auf sehr viel Vorarbeit von der Generation davor.

Ist für den Erfolg auch wichtig, dass das Festival unterschiedliche Bereiche verbindet, also einerseits Clubmusik, anderseits visuelle Kunst, DJs …?

Bestimmt. Viele Musiker sind begeistert. Wir versuchen mit unseren Mittel und ganz viel Kreativität das Möglichste herauszuholen. Lange war die visuelle Komponente nebensächlich. Viele Jahre musste man kämpfen, dass man überhaupt genannt wird als VJ. Und dann kommt dieses Festival und sagt: “Genau das stellen wir in den Mittelpunkt!”. Damals auch noch mit dem Untertitel: Festival für Visualisierung von elektronischer Musik, denn schwerpunktmäßig ging es tatsächlich um die Visualisierung. Da hat die VJ-Szene vermutlich gejubelt: Endlich gibt mal uns jemand die Aufmerksamkeit.

Das Festival hat insgesamt die Anerkennung und Wertschätzung von VJs befördert?

Ja, das traue ich mich behaupten. Das sieht man auch an den Menschen, die auf das sound:frame zukommen und nach und nach VJs vermittelt haben wollen.

Wie hat sich das Festival seit seinem Entstehen verändert?

2009 hat es vorerst zum letzten mal auf einer großen Ausstellungsfläche stattgefunden. 2010 hat es sich auf mehrere Galerien aufgeteilt. Das hat die Vermittlung ordentlich erschwert, weil diese nicht an mehr einen Raum gebunden war. Das war eine Herausforderung und wir mussten uns am Ende eingestehen: unser Ziel haben wir damit nicht erreicht. Wir haben das dann versucht, zu optimieren, und haben 2011 unterschiedliche Formate probiert. Wir sind mit der Ausstellung in die Ottakringer Brauerei gegangen, direkt an dem Ort, wo auch die Abendveranstaltungen stattfinden. Was aus ästhetischer Sicht extrem genial war, aber sonst eine große Herausforderung – zum Beispiel akustisch; es war wahnsinnig schwierig, mit einem großen Raum zu arbeiten. Nach dieser Erfahrung haben wir 2012 die Einladung vom MAK bekommen, eine Ausstellung zu zeigen. Das Thema war also wieder das Bespielen einer großen Räumlichkeit. Wir haben uns dafür entschieden, einfach eine technische und ästhetische Grundstruktur zur Verfügung zu stellen, die von verschiedenen Künstlern bespielt werden soll. Das akustische Problem war damit gelöst, dafür gab es aber nur einen formalen Rahmen.

Inhaltlich hat sich das Festival nach und nach mehr der audiovisuellen Ebene zugewandt. Am Anfang war wirklich das Ziel, vor allem die Visuals in den Vordergrund zu stellen und Bewusstsein dafür zu schaffen. Das ist uns auch gelungen. Dann wollten wir die visuelle und die akustische Ebene als gleichwertig präsentieren. Cool ist, dass wir es nach und nach geschafft haben, optimale Rahmenbedingungen – im Bereich unserer Möglichkeiten – für die Künstler zu schaffen, um gut zu arbeiten.

Setzt euch der Erfolg unter Druck?

Wir haben uns lange selbst unter Druck gesetzt. Nachdem das Festival so groß geworden ist hatten wir Angst davor, wieder kleiner zu werden. Wir haben uns teilweise übernommen. Das Projekt in der Rinderhalle 2011 war zwar ein Wahnsinnserfolg, aber wir hätten mehr Zeit und Geld dafür gebraucht. Wir haben bemerkt: es geht nicht darum, größer und bekannter zu werden. Wir wollen in erster Linie die Leute halten, die wir haben. Gehen wir also lieber wieder in Locations, wo eine gewisse Infrastruktur vorhanden ist, was uns mehr Spielraum mit den Inhalten lässt und weniger Kopfzerbrechen wegen der Organisation mit sich bringt. Es war ein wichtiger Entwicklungsprozess, den wir 2012 durchgemacht haben. Wir haben dann auch wunderbares Feedback bekommen. Es wurde positiv registriert, dass wir wieder in die kleinen Locations gegangen sind, das Ganze fokussiert haben … Klare Linie, klare Zeiten, klare Location – das hat uns in der Organisation aber auch unserem Publikum gut getan.

Kannst du schon einen Ausblick auf das nächste Soundframe wagen?

Es wird wieder stattfinden. Wir residieren wieder im MAK. Die Vernissage wird am 4. April stattfinden und das Festival dauert bis zum 21. April. Inhaltlich kann ich noch nicht viel verraten. Aber es wird von der Struktur und Ablauf her ein ähnliches Format wie 2012 werden. Ich möchte einmal in meinem Leben sagen können: „Wir machen es so wie letztes Jahr!“ … Auf das arbeite ich hin (lacht).

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