Besser und als aber

 

In diesen Tagen hat Thomas Kreiseder das Label „choose one.“ gegründet. Er möchte damit seine bisherige Arbeit auf die Bereiche Organisationsentwicklung und Kulturmanagement konzentrieren. „choose one.“ ist nicht nur Label sondern soll auch zum Anknüpfungspunkt und Netzwerk für andere BeraterInnen werden. Schwerpunkt von Thomas‘ Arbeit ist die Prozessberatung und -moderation.

Amel: Du bist Moderator?

Thomas: Stimmt – das ist eine meiner Hauptrollen.

A: Was ist die wichtigste Fähigkeit, die man dafür braucht?

T: Es gibt mehrere Fähigkeiten, die mir in den Sinn kommen. Die erste ist Empathie, die zweite Allparteilichkeit und die dritte ist ein klarer Kopf und strukturiertes Vorgehen.

A: Was macht man als Moderator de facto?

T: Als Moderator bin ich für den Prozess verantwortlich. Ich unterstütze Menschen, Gruppen oder Organisationen dabei, ihren Kommunikationsfluss auf ein Ziel hinzusteuern.

A: Was waren bisher die schwierigsten Situationen in deiner Arbeit?

T: Schwierig ist für mich persönlich immer, wenn in einem Workshop Meinungen aufeinanderprallen und es den Beteiligten nur mehr darum geht, ihren eigenen Standpunkt zu verteidigen. Das führt zu einer kommunikativen Endlosschleife, die ich als unbefriedigend empfinde. Es ist eine große Herausforderung, als Moderator die Balance zu halten zwischen Konflikt zuzulassen und im Sinne des Gesamtprozesses einzugreifen.

A: Was ist dir wichtig in der Zusammenarbeit mit einer Gruppe?

T: Ich wünsche mir, dass sich die Menschen gegenseitig zuhören, ohne sofort zu werten. Es gibt diesen Reflex, sich im Moment des Zuhörens schon eine Wertung oder ein Urteil zurechtzulegen. Man kann das auch an einem selbst beobachten: wenn dieses „aber“ auftaucht, um die Äußerungen eines Gegenübers zu relativieren. Das finde ich schade. Meine Herausforderung ist, einen Rahmen zu schaffen, in dem sich die Menschen tatsächlich zuhören und im Kopf kein „aber“ sondern ein „und“ entsteht. Das ist die beste Voraussetzung für jeden Prozess. Nur so können neue Ideen entstehen und Impulse werden nicht sofort abgewürgt. Einer meiner wichtigsten Werte ist also das „nicht-sofort-werten“ und „nicht-sofort-urteilen“. Je länger man Urteile und Wertungen in der Schwebe halten kann, umso produktiver können Dialoge, Besprechungen und Auseinandersetzungen sein.

A: Was waren für dich „Gänsehaut-Situationen“, also Momente, die dich fasziniert haben?

T: Je besser zum Beispiel die Struktur eines Workshops vorbereitet und designt ist, desto angenehmer ist es für die Menschen. Ein faszinierender Moment ist immer, wenn man als Moderator loslassen kann und die Menschen ganz von alleine mit vollem Potential arbeiten und die Dinge einfach geschehen. Mir gefällt dieser Ansatz Menschen zu ermächtigen selbständig an ihren Themen zu arbeiten. Die Verantwortung für den Prozess und die Struktur übernehme ich, aber die inhaltliche Verantwortung liegt bei den TeilnehmerInnen. Anders möchte ich nicht arbeiten.

A: Du hast jetzt das Label „choose one.“ ins Leben gerufen. Was bietest du dort alles an?

T: Organisationsentwicklung und Moderation ist das eine. Der zweite Teil ist Kulturmanagement. Also das Management von Kulturprojekten und die Beratung in Sachen Kommunikation, PR und Pressearbeit. Daneben biete ich auch Seminare an: zum Beispiel zum Thema Kreativität – das setzen wir beide ja gemeinsam um, worüber ich mich sehr freue! Andere Themen sind Konzeptarbeit und PR.

A: Wie ist der Titel „choose one.“ zustande gekommen?

T: Das war ein intuitiver Prozess. Ich habe ein Bild gemalt. Beim Malen haben sich mir die Worte einfach offenbart (lacht). Der Slogan „so many ways to go …“ ist aufgetaucht und gleich anschließend „choose one.“. Soll heißen: Es gibt viele Möglichkeiten. Entscheide dich für einen Weg. Der Spirit, der dahinter steckt ist: Triff Entscheidungen und stehe dazu. Lass dich von unzähligen Möglichkeiten nicht aus dem Konzept bringen und paralysieren.

A: Was bedeutet der Titel im Zusammenhang mit Moderation?

T: Hier ist „choose one.“ eine Metapher für Klarheit. Oft geht es darum, aus einer unklaren Situation zu einem Punkt zu kommen, wo klar wird: Was machen wir jetzt? Wofür entscheiden wir uns? Es ist für Organisationen wichtig, einen Ansatzpunkt zu bekommen, Klarheit zu entwickeln. Meine Rolle ist, sie dabei zu unterstützen.

A: Wenn du zurück denkst: wann in deiner beruflichen Laufbahn hast du besonders viel über Kommunikation und Moderation gelernt?

T: Ich habe sehr viel als Radiogestalter bei Radio FRO in Linz gelernt. Die Herausforderung dabei war: wie schaffe ich es, relativ komplexe Sachverhalte zu vereinfachen und ihnen eine Form zu geben, die für ein allgemeines verständlich ist. Radio machen – das ist eine große Kunst.

A: Hast du noch eine Frage, die du dir selber stellen würdest?

T: Hm … Warum hat es so lange gedauert, bis du dich für diesen Weg entschieden hast?

A: Warum hat es so lange gedauert, bis du dich für diesen Weg entschieden hast?

T: Die Zeit hat es einfach gebraucht. Es war ein Reifeprozess – wie bei einer Pflanze in einer Saison, wo im Frühjahr ganz wenig Sonne scheint. Die Pflanze sprießt nicht. Doch plötzlich kommt die Sonne und innerhalb von ganz kurzer Zeit schießt sie hervor und wächst unglaublich schnell. Die Pflanze hat sich lange auf diesen Moment vorbereitet, das Potential war vorhanden – nur auf diese Weise konnte sie umso schneller wachsen. Das ist eine ganz gute Metapher.

A: Du machst gerade eine Ausbildung zum Genuine Contact-Berater. Was macht diesen Ansatz aus?

T: Es ist ein ganzheitlicher Ansatz, der nicht nur das Rationale in den Vordergrund stellt, sondern das Physische, Spirituelle und Emotionale gleichwertig betont. Das ist für mich ein nachhaltigerer Ansatz, als sich auf das rein Rationale zu beschränken. Veränderung kann so tiefgreifender stattfinden. Davon bin ich überzeugt.

Jetzt habe ich auch noch eine Frage an dich. Was interessiert dich an „choose one.“?

A: Ich finde es schön, dass das Kreative hier sehr viel Platz hat. Dass das eine wichtige Kraft ist …

Thomas, vielen Dank für das Gespräch.

T: Ich danke auch.

Porträtbild von Anna Zangerle

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